Hof Walder
Beim Hof Gassen 4 handelt es sich um einen ortstypischen Einhof im Defereggental, dessen ursprüngliche Struktur mit einer klar ablesbaren Trennung zwischen Wohn- und Wirtschaftsteil bis heute erhalten ist. Die Setzung des Baukörpers folgt selbstverständlich der bestehenden Topografie und bildet gemeinsam mit der niedrigen Sockelzone aus Naturstein ein charakteristisches, ortsbildprägendes Ensemble. Der Bestand ist geprägt durch einen massiven Sockelbereich, einen darüberliegenden Holzbau sowie ein ausgeprägtes, landschaftstypisches Dach.
Ziel des Projektes ist die behutsame Sanierung und Weiterentwicklung des bestehenden Hofes unter Erhalt seiner typologischen, konstruktiven und ortsräumlichen Qualitäten. Die ursprüngliche Struktur des Einhofes bleibt erhalten, während der Wirtschaftsteil funktional neu interpretiert und für zeitgemäße Nutzungen adaptiert wird. Im vorderen Wohntrakt bleiben die Zimmer angeordnet, während im rückwärtigen Bereich von Stall und Scheune künftig gemeinschaftlich genutzte Räume vorgesehen sind.
Der Entwurf orientiert sich konsequent am Bestand. Eingriffe erfolgen zurückhaltend, nachvollziehbar und in klarer Differenzierung zwischen Alt und Neu. Die bestehende Kubatur, die Dachform sowie die Materialität werden weitgehend bewahrt. Neue Öffnungen und funktionale Anpassungen werden sensibel in das vorhandene Gefüge integriert, ohne die äußere Erscheinung des Gebäudes wesentlich zu verändern.
Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt der charakteristischen Sockelzone, der Minimierung von Geländeveränderungen, der behutsamen Integration der Erschließung in die Topografie sowie der Verwendung traditioneller Materialien in zeitgemäßer Interpretation.
Die Stellungnahme des Sachverständigenbeirates vom 13.03.2019 bestätigt grundsätzlich die Entwicklungsfähigkeit des Projektes unter Beibehaltung der Bestandsstruktur. Besonders hervorgehoben wurden darin die Notwendigkeit, die Setzung des Gebäudes in der Landschaft zu respektieren, sowie der Erhalt der charakteristischen niedrigen Sockelzonen. Diese Aspekte wurden im vorliegenden Entwurf konsequent aufgenommen und weiterentwickelt.
Die aktuellen Vorentwurfspläne zeigen eine differenzierte Weiterentwicklung des Bestandes mit klarer funktionaler Gliederung. Die Ansichten und Schnitte verdeutlichen die Einfügung des Baukörpers in das Gelände sowie die Beibehaltung der bestehenden räumlichen und konstruktiven Ordnung.
Die Fenster werden durch Holzfenster, sogenannte Denkmalschutzfenster, ersetzt. Die bestehende Fassade bleibt erhalten. Erforderliche Anpassungen der Raumhöhen erfolgen durch ein gezieltes, konstruktiv nachvollziehbares Anheben einzelner Blockwandelemente. Dieser Eingriff wird ausschließlich auf jene Bereiche beschränkt, in denen eine zeitgemäße Nutzung andernfalls nicht möglich wäre. Die Maßnahme erfolgt unter größtmöglicher Schonung der bestehenden Substanz und in enger Anlehnung an die traditionelle Bauweise. Die tektonische Logik sowie die äußere Erscheinung des Gebäudes bleiben dadurch gewahrt.
Die thermische Sanierung wird bewusst zurückhaltend und innenseitig umgesetzt. Die Dämmmaßnahmen beschränken sich auf das gesetzlich erforderliche Minimum, um die bauphysikalischen Eigenschaften des historischen Holzbaus, insbesondere Diffusionsoffenheit und Feuchteverhalten, sowie die konstruktive Authentizität nicht zu beeinträchtigen. Elektrik und Haustechnik werden vollständig erneuert und behutsam in den Bestand integriert.
Insgesamt verfolgt das Projekt das Ziel, den Hof Gassen 4 aus seiner eigenen baulichen Logik heraus weiterzuentwickeln. Angestrebt wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen zeitgemäßen Nutzungsanforderungen, Energieeffizienz und dem Erhalt der ortsbildprägenden historischen Substanz.