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Alles ist Umbau – nach Hermann Czech

In der Welt der Architektur und des Städtebaus hat sich ein revolutionärer Gedanke manifestiert, der die herkömmlichen Vorstellungen von Beständigkeit und Unveränderlichkeit in Frage stellt. Unter dem Leitmotiv "Alles ist Umbau" präsentiert dieser Ansatz eine frische Perspektive auf die Gestaltung unserer städtischen Umgebungen und Gebäude. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist der renommierte Architekt Hermann Czech, dessen Ideen eine inspirierende Veränderung in der Branche bewirken.

Der Grundgedanke von "Alles ist Umbau" liegt in der Überzeugung, dass Architektur und Städtebau nicht als statische Elemente betrachtet werden sollten, sondern als dynamische, ständig im Fluss befindliche Konzepte. Czech fordert dazu auf, den traditionellen Blick auf Gebäude und Stadträume zu überdenken und sich der Idee zu öffnen, dass Veränderung ein inhärenter Bestandteil ihrer Existenz ist.

Ein zentrales Konzept dieses Ansatzes ist die Vorstellung von Gebäuden als lebendige Organismen, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln und anpassen. Dies öffnet die Tür zu einer Architektur, die nicht nur für den Augenblick, sondern auch für die Zukunft entworfen ist. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die flexibel genug sind, um den sich wandelnden Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden.

Der Artikel wirft einen Blick auf die sozialen Implikationen dieser dynamischen Sichtweise. Städtebau wird nicht mehr als isolierte Anordnung von Gebäuden betrachtet, sondern als ein fortwährender sozialer Prozess. Dieser Ansatz ermöglicht eine organische Entwicklung von urbanen Zentren, die sich an die sich ändernden Bedürfnisse und Dynamiken der Gesellschaft anpassen können.

Hermann Czech betont auch die Umweltverträglichkeit dieser Herangehensweise. Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur auf ökologische Aspekte beschränkt, sondern umfasst auch die Fähigkeit von Gebäuden und Stadträumen, sich anzupassen und zu transformieren, anstatt abgerissen und neu gebaut zu werden. Dieser holistische Blick auf Nachhaltigkeit schafft eine Architektur, die nicht nur ressourcenschonend ist, sondern auch langfristig den Bedürfnissen unserer sich entwickelnden Gemeinschaften entspricht.

"Alles ist Umbau" ist mehr als nur eine philosophische Annahme; es ist eine Aufforderung zur kreativen Innovation. Es regt dazu an, über die Grenzen des Bekannten hinauszudenken und die Potenziale eines ständigen architektonischen und städtebaulichen Wandels zu erkunden. Diese Denkweise stellt eine wegweisende Richtung für die Architektur der Zukunft dar, eine, die nicht nur den Bedürfnissen der Gegenwart gerecht wird, sondern auch die Türen zu einer flexiblen, nachhaltigen und lebendigen Zukunft öffnet. "Alles ist Umbau" – ein Aufruf zur Gestaltung von Welten, die sich ebenso dynamisch entwickeln wie die Gesellschaft, die sie formt.

Apartments im denkmalgeschützen Pfleghaus
Apartments im denkmalgeschützen Pfleghaus

Die Architektur und der Städtebau sind geprägt von einem ständigen Wandel, einer unaufhörlichen Anpassung an neue Anforderungen, Technologien und Lebensweisen. Hermann Czech, ein österreichischer Architekt, bringt diese Dynamik auf den Punkt, wenn er sagt: "Ein Umbau ist interessanter als ein Neubau, weil im Grunde alles Umbau ist." Diese Aussage öffnet die Tür zu einer tiefgreifenden philosophischen Betrachtung darüber, was es bedeutet, bestehende Strukturen zu respektieren, zu transformieren und ihnen gleichzeitig eine zeitgemäße Bedeutung zu verleihen.

Die Philosophie des Umbaus

Die Architektur ist mehr als nur das Errichten von Gebäuden. Sie ist ein lebendiger Ausdruck von Geschichte, Kultur und gesellschaftlichem Wandel. Hermann Czechs Ansatz betont, dass jeder architektonische Maßstab eine Ausformung des nächsten größeren ist. Diese Hierarchie von Entscheidungen auf höheren Ebenen führt zu einer organischen Ordnung, die das Gewachsene respektiert und gleichzeitig Raum für Fortschritt schafft.

Die Frage der Annäherung an das Vorhandene wird entscheidend. Ist es die Schaffung von Neuem, das dem Bestehenden entgegengesetzt wird, oder handelt es sich um die Fortsetzung des Vorhandenen mit neuen Mitteln? Die Antwort liegt laut Czech in einer Synthese beider Ansätze, wobei die Fortsetzung des Vorhandenen in der Bildung einer neuen Einheit auf höherer Ebene besteht. Hier zeigt sich, dass Umbau nicht nur bauliche Veränderungen bedeutet, sondern auch eine tiefgreifende Neubewertung und Neuinterpretation von Raum und Funktion.

Umbau als architekturtheoretisches Schlüsselthema

Die Bedeutung des Umbaus als architekturtheoretisch wichtiges Thema wird durch Czech betont. Es ist nicht nur eine Frage der Baukunst, sondern eine philosophische Auseinandersetzung mit der Geschichte, Identität und Entwicklung von Räumen. Czech geht sogar so weit zu sagen, dass der Umbau vielleicht das zentrale Thema in der Architektur überhaupt ist. Es geht darum, wie wir uns den gebauten Raum vorstellen, wie wir mit Bestehendem umgehen und wie wir eine Synthese zwischen Tradition und Innovation schaffen können.

Um diese theoretischen Überlegungen in die Praxis umzusetzen, werfen wir einen Blick auf drei Projekte, welche wir in den letzten Jahren umsetzen durften. Diese Projekte dienen als konkrete Beispiele für die Umsetzung der Philosophie "Umbau ist alles".

1. Renovierung: Haus mit Kapelle

Das Haus mit Kapelle am westlichen Dorfrand von Gärberbach, oberhalb von Innsbruck, ist ein architektonisches Juwel, dessen Wurzeln vermutlich bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Die Renovierung dieses historischen Gebäudes verdeutlicht, warum "Umbau ist alles" nicht nur ein Slogan ist, sondern eine kreative Herausforderung, die Respekt vor der Geschichte mit modernem Design verbindet.

Die Architekten entschieden sich, nicht nur die Bausubstanz zu erhalten, sondern sie auch in eine zeitgemäße Wohnstätte zu transformieren. Die Kapelle, die einst Ort der Messfeier mit Andreas Hofer war, wird zu einem offenen Küchenraum. Die Entscheidung, die Lochfenster der Kapelle zu öffnen und durch schmale Balkontüren zu ersetzen, schafft eine nahtlose Verbindung zur südseitigen Terrasse. Hier wird der Umbau zu einer kreativen Synthese von Alt und Neu, wobei die Grenzen zwischen Innen und Außen verwischen.

Der Innenraum wird durch das restaurierte Bundtramwerk zu einer Einheit zusammengefasst. Statt auf klare Trennung setzt das Design auf Durchlässigkeit und eine organische Anordnung von Räumen. Weniger Räume und Zimmer wurden geschaffen, stattdessen entstanden Atmosphären und Nischen, die sich durchlässig hintereinander, nebeneinander und übereinander schichten. Neue Elemente fügen sich behutsam ins Alte ein, nicht durch architektonische Gliederung, sondern durch das Freimachen der Räume. Licht, Belichtung, hochwertige Innenausstattung und ein reduziertes Farbkonzept prägen diese Transformation, in der es weniger um das Schaffen von Raum, als um das Sichtbarmachen von Raum geht.

2. Neugestaltung Dorfplatz und Musikpavillon – Innichen

In Innichen wird die Bedeutung des Umbaus als kreativer Prozess und als Umdeutung des Bestandes besonders deutlich. Die Neugestaltung des Dorfplatzes und des Musikpavillons ist nicht nur eine städtebauliche Maßnahme, sondern eine Hommage an die Geschichte und Identität des Ortes.

Die wesentlichen Elemente, die Innichen auszeichnen – Stein, Wasser und Geschichte – werden in das Design integriert. Die Verwendung von Stein als dauerhaftem und beständigem Element spiegelt die Beständigkeit des Ortes wider. Der Platz wird in Teilbereiche aufgegliedert und mit einem Infrastrukturraster für Wasser, Strom und Licht versehen. Hier zeigt sich, dass Umbau nicht nur eine Frage der Ästhetik ist, sondern auch eine planerische Herausforderung, die die Bedürfnisse der Gemeinschaft berücksichtigt.

Wasser wird als trennendes und gestaltendes Element am Platz eingeführt. Die Linie der ehemals existierenden Wiere wird als Symbol für die Via Claudia Augusta Altinate aufgenommen. Sie markiert nicht nur historische Wege, sondern auch die Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht. Eine zweite Linie steht senkrecht dazu und repräsentiert die Via Iulia Augusta. Der Schnittpunkt dieser beiden Achsen wird zum Standort des neuen Pavillons, der in Stein geformt vom Wasser, eine Verbindung zwischen historischen Routen, modernem Design und Gemeinschaft schafft.

Der Musikpavillon selbst wird zum zentralen Punkt des Platzes. Die Architekten haben nicht nur an die visuelle Ästhetik gedacht, sondern auch an die akustischen Anforderungen einer Musikkapelle. Die Bühne ist so gestaltet, dass sie nicht nur als Musikaufführungsstätte dient, sondern auch als Veranstaltungsraum genutzt werden kann. Der angrenzende Kiosk bespielt den Straßenraum und den neu entstandenen Platz vor der Postkapelle. Die Trinkhalle am Pflegplatz wird zur neuen Attraktion, wo die fünf Quellen von Innichen verköstigt werden können.

Diese Neugestaltung des Dorfplatzes verdeutlicht, dass Umbau nicht nur eine physische Veränderung des Raumes ist, sondern auch eine Inszenierung von Geschichte und Identität. Die Linien auf dem Platz erzählen die Geschichte des Ortes, die Achsen symbolisieren historische Routen, und der Pavillon wird zum kulturellen Zentrum, das die Vergangenheit bewahrt und zugleich den Blick auf die Zukunft öffnet.

3. Gemeindeamt und Apartments im denkmalgeschützten Pfleghaus

Das dritte Projekt, das "hochfürstbischöfliche-brixnerische Pfleggerichtshaus Schloss Anras", ist ein herausragendes Beispiel für die Restaurierung und Revitalisierung eines bedeutenden Kulturdenkmals. Das Schloss ist nicht nur kulturell äußerst bedeutsam, sondern auch prägend für das Ortsbild.

Bereits seit 1989 befindet sich ein Teil des Gebäudes im Eigentum der Messerschmitt-Stiftung. Nach einer umfassenden Generalsanierung im Jahr 1997 wurde das Schloss als Museum und Galerie genutzt. Dies machte es zu einem beliebten kulturellen Anziehungspunkt für die Gemeinde.

Das Projekt begann mit einer eingehenden Bedarfserhebung in der Gemeinde, um die kulturellen Potenziale und Interessen zu erfassen. Die Analyse der Anliegen und Wünsche ermöglichte es, das Projekt bestmöglich auf die Bedürfnisse der Gemeinde abzustimmen.

Das Zentrum der Bemühungen lag in der sorgfältigen Beurteilung des Standorts Anras und des einzigartigen Charakters des Pfleghofes. Die geplante Nutzung der einzelnen Etagen spiegelt die Vielseitigkeit des Schlosses wider. Vom gemütlichen Café im Erdgeschoss bis zu Ausstellungen und Veranstaltungen im Dachgeschoss wird das historische Gebäude als lebendiges Kulturzentrum revitalisiert.

Die Entscheidungen zur Nutzung der Räume erfolgten nach intensiver Prüfung von architektonischen, baugeschichtlichen und bauphysikalischen Aspekten. Dabei ging es nicht nur darum, die Räume bestmöglich zu nutzen, sondern auch das volle Potenzial des Schlosses auszuschöpfen.

Das erste Obergeschoss wird für Gemeindeaktivitäten und Veranstaltungen genutzt, um die lokale Gemeinschaft in das Schlossleben einzubinden und eine lebendige Begegnungsstätte zu schaffen. Das zweite Obergeschoss und das Dachgeschoss sind für Ausstellungen und Veranstaltungen vorgesehen, die das kulturelle Erbe des Schlosses präsentieren und für Besucher zugänglich machen.

Das Herzstück des Konzepts ist die geplante Nutzung der einzelnen Etagen. Das Erdgeschoss des Schlosses wird nach unseren Plänen ein gemütliches Café sowie drei stilvolle Wohnungen beherbergen, um einen harmonischen Mix aus kultureller Atmosphäre und modernem Wohnen zu schaffen.

Dieses Projekt in Anras zielt darauf ab, das historische Gebäude als ein lebendiges Kulturzentrum zu revitalisieren, das seine Vergangenheit bewahrt und zugleich den Menschen von heute und morgen ein besonderes Erlebnis bietet. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Umbau nicht nur Erhaltung bedeutet, sondern auch eine zeitgemäße Nutzung, die die lokale Gemeinschaft einbezieht und das historische Erbe in einen modernen Kontext stellt.

Fazit: Umbau als kreative Herausforderung

Insgesamt zeigen die drei Projekte, dass Umbau mehr ist als bloße Renovierung. Es ist eine kreative Herausforderung, die Geschichte respektiert und gleichzeitig neue Möglichkeiten schafft. Die Dynamik des Wandels in der Architektur und im Städtebau zeigt sich in der Kunst, Altes und Neues in harmonischer Weise zu verbinden – ein Prozess, der die Identität eines Ortes bewahrt und zugleich für zukünftige Generationen öffnet.

Die Philosophie "Umbau ist alles" wird nicht nur in den theoretischen Überlegungen Czechs deutlich, sondern auch in der konkreten Umsetzung dieser Ideen in realen Bauprojekten. Es geht um mehr als nur um Bauwerke; es geht um die Schaffung von Räumen, die lebendige Geschichten erzählen und in denen Menschen leben, arbeiten und sich entfalten können.

Die Renovierung des Hauses mit Kapelle, die Neugestaltung des Dorfplatzes und des Musikpavillons in Innichen sowie das Gemeindeamt und die Apartments im denkmalgeschützten Pfleghaus in Anras sind Beispiele für die Vielfalt und die Kreativität, die im Umbauprozess entstehen können. Die Projekte verdeutlichen, dass Umbau nicht nur eine Frage der Architektur, sondern auch eine kulturelle, soziale und identitätsstiftende Dimension hat.

In einer Welt, die sich ständig verändert, sind die Prinzipien des Umbaus von entscheidender Bedeutung. Die Fähigkeit, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Gegenwart und Zukunft einzugehen, macht den Umbau zu einem Schlüsselinstrument für nachhaltige und lebenswerte Städte und Gebäude. Hermann Czechs Erbe liegt nicht nur in seinen Worten, sondern auch in den realen Veränderungen, die er durch seine Projekte in die Welt gesetzt hat – Veränderungen, die zeigen, dass in der Architektur alles Umbau ist.

03.12.2023
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