Tagung »Wohn-Landschaften« – 20. Oktober 2006, Bozen

Tagungsergebnisse

Der europäische Wohnbau muss sich der neuen sozialen Verantwortung einer komplexen Gesellschaftsstruktur stellen und dafür neue Wohnformen anbieten. Genannt seien hier nur ein paar Beispiele wie Singlehaus halte, Altenwohnungen, Wohngemeinschaften, Wochenendpendler oder Alleinerzieher. Die rasante Veränderung unserer »Ge-WOHN-heiten«, neue Produktionsprozesse und die zunehmende Mobilität stellen uns vor die Notwendigkeit, gerade in einem extrem schnell expandierenden Land mit begrenzten Flächenressourcen wie Südtirol über die Zukunft des Wohnens nach zudenken.

Ein Großteil der Menschen in Europa lebt heute in urbanen Siedlungen. Das freistehende Einzelhaus, der Traum vom eigenen Haus im Grünen, zählt aber nach wie vor zu den begehrtesten Wohnformen des 21. Jahrhunderts. Der Besitz eines eigenen Hauses, der private Garten und die Distanz zu den Nachbarn sind einige der Motive für diese Entwicklung. Die hieraus resultierende Zersiedelung führt nicht nur zu einem enormen Landverbrauch, sondern bereitet den Gemeinden darüber hinaus enorme Kosten für Infrastruktur und Erschließung.

Bauen wird oft als Landschaftszerstörung empfunden. Dies gilt ganz besonders für den ländlichen Bereich oder die Peripherie von Ortschaften, wo auch die größten Wohnbauprojekte realisiert werden. Gerade in diesen Bereichen ist Landschaft oft noch wenig verbaut, was auch die Qualität solcher Standorte ausmacht. Hier sind Herangehensweisen gefragt, die die Landschaft in ihrer Gesamtheit betrachten und den Bestand und das Neue in einer gemeinsamen Vision entwerfen und entwickeln. Siedlungen und Architektur, die aus der Landschaft heraus entwickelt wurden, können ihre Umgebung verstärken und bereichern. Die Lebensqualität in solchen Siedlungen ist einzigartig und unverwechselbar und die Bewohner entwickeln eine starke Beziehung zu ihrer Umgebung.

Neue Strategien sind nötig, um den komplexen Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Dabei werden sich Begriff e wie Landschaft und Natur genauso einer Neuinterpretation stellen müssen wie Gebäude- oder Grundrisstypologien.

Aus den geschilderten Problematiken heraus ergeben sich klare Vorgaben für eine nachhaltige Weiterentwicklung unserer Dörfer und Städte. Bestehende Bauzonen sind möglichst nachzuverdichten, bevor neue ausgewiesen werden. Neue Wohnbauzonen dürfen nur dort ausgewiesen werden, wo dies für eine strategische und nachhaltige Dorfentwicklung sinnvoll ist und nicht dort, wo Flächen kurzfristig zur Verfügung stehen. Bei der Bautypologie ist auf Qualität volles, verdichtetes Bauen zu setzen: von der Einzelhaus- und Reihenhaustypologie sollte abgegangen und verstärkt auf den flächensparenderen Geschosswohnbau gesetzt werden. Die Bebauung der Zonen muss unter besonderer Berücksichtigung der Topografie erfolgen. Zentrale Kriterien bei neuen Zonen müssen daher in Zukunft nicht nur Baudichten und das Einhalten von urbanistischen Parametern sein, sondern verstärkt auch die behutsame Einbindung in das Gelände und die Landschaft, die Nachhaltigkeit und die Qualität der Durchführungspläne sowie der Gestaltungspläne.