Stadtvilla

Archäologischer Prozess: Freispielen verlorener Zustände und Schichten

Exponiert, auf einer „grünen Insel“ innerhalb des städtischen Gefüges gelegen und bereits aus größerer Entfernung sichtbar, spielt die Villa seit mittlerweile 100 Jahren eine bedeutende Rolle im Stadtbild von Pradl. Im Laufe der Jahrzehnte wurden immer wieder neue Anbauten hinzugefügt. Dies führte zu einer zunehmenden Verschachtelung des Grundstückes. Die ursprüngliche Charakteristik der Villa ging dabei schrittweise verloren.

Dem Wunsch, aus den gegebenen Voraussetzungen einen spannenden, vielfältigen Lebensraum zu schaffen, welcher einem modernen Lebensstil entspricht, sollte behutsam Rechnung getragen werden. Die (be)drückende Dichte, welche sich über die Jahrzehnte angelagert hat, wurde im baulichen Prozess Schritt für Schritt entwirrt und die verloren gegangene Klarheit wieder erlangt. Bestehende Wohnräume wurden mit Feingefühl aufgewertet und durch gezielte Eingriffe an individuelle Bedürfnisse adaptiert.

Neben der weiß verputzten Stadtvilla aus dem Jahre 1926, einsteht ein golden schimmernder, stellenweise mit dezenter Ornamentik versehener Zubau. Dessen einheitliche Metallfassade lässt den neu geschaffenen Wohntrakt und die darunter liegende Badehalle zu einer homogenen Einheit verschmelzen. Wirkt der Baukörper Richtung Gartenbereich verspielt, verleiht die Außenhaut dem Gebäude auch eine gewisse Stringenz, welche sich vor allem Richtung Osten abzeichnet.

Während die introvertierten Zimmer der bestehenden Villa einen Ort notwendigen Rückzugs anbieten, bildet der großzügige Zubau deren extrovertierten Kontrapart. Als weiträumiges, allseitig offenes „Cockpit“ schafft die Erweiterung einen großzügigen Rahmen für die „Szenen des familiären Alltags“ mit uneingeschränktem Nutzungspotential. Rundum verlaufende, weitflächige Öffnungen spielen die Exponiertheit des Ortes aus und lassen die spektakuläre Bergkulisse der Stadt omnipräsent nach innen wirken.

Durch den gezielten Einsatz innovativer, konstruktiver Lösungen eröffnen sich neue Räume und Möglichkeiten. Sowie die Villa ist auch der Erweiterungsbau „ein Kind seiner Zeit“ und lässt dies nach außen erkennen. Der klare Verlauf der eingezogenen, schwebenden Holzrippendecke zeichnet sich vor allem nachts markant nach außen ab und stellt sich in ein spannungsvolles Verhältnis zur vorgehängten Fassade. Eine Verbunddecke überspannt wiederum die darunter liegende Badehalle. Diese wurde ursprünglich in den 70er Jahren errichtet und im Zuge des baulichen Prozesses wieder aktiviert.

Aufgabe

  • Renovierung, Erweiterung, Umbau

Auftraggeber

  • Privat

Firmen

  • Nadler, Hutter&Söhne, Zösmayr, Ausserer, Plössl, Sageder

Team

  • Mathias Lukasser

Fotograph

  • Günter Richard Wett