Umbau und Erweiterung Bibliothek Brixen

Aufgabe: Umbau, Erweiterung im Denkmalschutz
Auftraggeber: Gemeinde Brixen
Fertigstellung: 2010

Grundidee des Entwurfes für die Bibliothek ist die Weiterentwicklung der bestehenden Baukörper am Domplatz unter Berücksichtigung des baulichen Kontextes und möglichster Vermeidung von Eingriffen in die historische Bausubstanz. Form und Lage des Bibliotheksneubaues entwickeln sich aus dem baulichen Kontext. Als Ersatz für das aktuell als Weltladen genutzte Gebäude in der Brunogasse wird ein schmales neues Gebäude an die Gassenflucht gesetzt. Dieses bildet mit einer Höhe von drei Geschossen und einem Satteldach den Kopfteil des Neubaues, der sich dahinter in zwei Ebenen bis an den historischen Bestand erstreckt. Das Kopfgebäude fügt sich in seiner Formensprache in den Bestand ähnlicher Bautypologien und –volumina am Dombezirk und in der Brunogasse ein. Lediglich die Fassadengliederung mit grossen Fenstern und die dunkle Oberflächengestaltung kennzeichnen den Neubau.

Sichtbeziehungen: Das höhere Kopfgebäude an der Gassenflucht bildet den Blickfang für die neue Stadtbibliothek von der Hofburg bzw. Brunogasse aus. Zugleich bleiben durch die Abstufung des Bauteil dahinter wichtige Sichtbeziehungen und Blickachsen zu Orientierungspunkten im Stadtzentrum erhalten: Dom, Johanneskapelle, Hofburg.

Raumprogramm: Die Funktion der Bibliothek ist zwischen Altbestand und Neubau so gelöst, dass das gesamte Raumprogramm auf zwei Ebenen untergebracht ist. Durch die Schaffung eines zentralen hellen zweigeschossigen Raumes ist die neue Stadtbibliothek leicht lesbar, im offenen Eingangsbereich finden sich die wichtigsten Orientierungspunkte wie Information, Vertikalerschliessung und Zugänge zu den verschiedenen Bereichen.

Im Erdgeschoss des Bibliotheksneubaues sind der Eingangsbereich mit Information, Ausleihe und Rückgabe untergebracht, hier sind Belletristik und Zeitschriften aufgestellt. Der Zeitschriftenraum ist so positioniert, dass möglichst viel Bezug zum Aussenraum und zum Garten besteht: der Leser kann sich mit entliehenen Zeitungen und Zeitschriften auch im Bibliotheksgarten oder auf der Terrasse des Literaturcafés aufhalten. Der Belletristikbereich dehnt sich bis in die anliegenden Räume des Gerichtsgebäudes: hier sind zwei thematisch inszenierte Räume für Kriminalliteratur und Lovestories vorgesehen. Nördlich davon finden sich die Sanitärbereiche und anschliessend daran die nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Magazine, die auch über den östlichen Eingang zum Gericht beliefert werden können. Die Räume im Erdgeschoss der ex-Finanzkaserne werden als Literaturcafé genutzt: dieses dient als Anziehungspunkt für die Bibliothek vom Domplatz aus und bietet den Rahmen für vielfältige kulturelle Aktivitäten wie Dichterlesungen, Kleinkunstaufführungen etc.

Im Obergeschoss des Neubaues mit einer offenen Galerie sind die Sachmedien untergebracht, innerhalb des Kopfgebäudes an der Brunogasse liegen die ruhigen Studierräume. Aus dem Bereich der Sachmedien gelangt man in die ex-Finanzkaserne, wo die Büroräume der Bibliotheksleitung legen und in das Obergeschoss des Gerichtsgebäudes mit Ludothek, Kinder- und Jugendbereich, sowie Musikabteilung.

Das zweite Obergeschoss des Kopfgebäudes der neuen Bibliothek birgt den Lese- und Veranstaltungsraum mit einem gesonderten Cateringbereich zur Versorgung, sowie einen Zugang zur Dachterrasse über dem mittleren Bereich des Neubaues: hier sind Veranstaltungen im Freien wie z.B. Filmvorführungen/ Freiluftkino möglich. Die beiden oberen Geschosse der ex-Finanzkaserne sind derzeit aus wirtschaftlichen Gründen nicht mit einem Lift behindertengerecht erschlossen und können daher nur intern genutzt werden bzw. stehen nach entsprechender Erschliessung für eine Erweiterung der Bibliothek jederzeit zur Verfügung.

Prinzipiell sind die Programme bzw. Nutzungen der Räume in der neuen Stadtbibliothek flexibel und austauschbar: lediglich Belletristik und die Sachmedien befinden sich aufgrund der Anforderungen und des grossen Raumbedarfes in den offenen Räumen des Neubaues.

Medien: Die neue Stadtbibliothek ist als Treffpunkt und Ort der Kommunikation gedacht. Dabei ist auch der Einsatz modernen Kommunikationsmedien vorgesehen: diese wie z.B. das i-Pad erlauben mobile Arbeitsplätze, die überall Verbindung zum Internet erlauben und nicht mehr an einen fixen Terminal gebunden sind. Das bedeutet, dass überall innerhalb der Bibliothek gelesen und gearbeitet werden kann – der Besucher kann sich seinen Aufenthaltsort zwischen den introvertierten und offenen Räumen im Inneren, sowie zwischen der Terrasse des Literaturcafés und dem Bibliotheksgarten im Freien wählen.

Aussenraum: Der Neubau der Bibliothek ist so positioniert und gestaltet, dass der zentrale offene Bereich des Erdgeschosses eine Verbindung der umgebenden Frei- und Grünräume schafft. Grosse öffenbare Glasfronten erlauben einen freien Durchgang von der Terrasse des Literaturcafés bis in den Bibliotheksgarten.

Die Dachterrasse über dem mittleren Bereich des Neubaues schafft einen zusätzlichen qualitätvollen Aussenraum. Der Eingangsbereich der ex-Finanzkaserne am Domplatz wird durch die Abtragung der Vorgartenmauer bis auf einen niedrigen Sockelbereich und die Anbringung grosser Schriftzüge als Absperrungen aufgewertet. Der Vorbereich wird als Terrasse für das Literaturcafé genutzt. Damit wird das Literaturcafé zu einem Attraktor für die neue Stadtbibliothek

Erschliessung: Der Zugang zur neuen Stadtbibliothek erfolgt vom Domplatz aus über den attraktiv gestalteten Vorbereich des Literaturcafés. So gelangt der Besucher auf die Terrasse/ den Freibereich im Süden der ex-Finanzkaserne mit dem Hauptzugang zum Neubau. Diese Freifläche kann durch einen Nachtzaun während der Schliessungszeiten bzw. bei geschlossenen Veranstaltungen geschützt werden. Die Vertikalerschliessung für alle Gebäude ist mit Rücksicht auf die historische Bausubstanz im Neubau untergebracht: im Kopfbau an der Brunogasse am Übergangsbereich zwischen Belletristik und Zeitschriftenabteilung liegen Lift und Stiegenaufgang bis in das 2. Obergeschoss, im Anschlussbereich zum Gerichtsgebäude ist ein weiterer Treppenaufgang mit Aufzug bis in das Obergeschoss vorgesehen.

Auf diese Art und Weise sind die Verknüpfung von Bestands- und Neubauten, sowie die Erreichbarkeit und behindertengerechte Erschliessung aller Bibliotheksräume gewährleistet. Die Fluchtwege aus der Bibliothek schliessen sich an das für das Gericht bestehende System mit Treppenhaus und Lift im Osten und Fluchttreppe an der Südfassade des Gebäudes an.

Fassaden/ Materialien: Die Fassadengestaltung des Neubaues der Bibliothek ist mit dunkel anthrazitgrau eingefärbtem, sandgestrahlten Beton mit einem groben Zuschlag aus gebrochenem Granit vorgesehen. Granit ist in der Umgebung von Brixen das historisch meistverwendete Baumaterial für besondere Bauteile bzw. hochwertige Bauwerke wie vor allem im kirchlichen Bereich. Mit der Verwendung eines historischen Baumateriales soll an die Geschichte des Dombezirkes angeschlossen werden.

Auftraggeber

  • Gemeinde Brixen

Aufgabe

  • Erweiterung der Stadtbibliothek im Mittelalterlichen Altstadtkern