Bibliothekenzentrum – Bozen

Das Konzept gliedert das Areal der Bibliothekzentrum durch deutliche Markierungen und gestaltet im Aufnehmen städtebaulicher Bezugspunkte eine Verstrickung mit dem Kontext. Die erste Markierung setzt den Bibliotheksbau als „konzentrierten“ Block an den Südrand des Areals. Die Dimension dieses Blocks verleiht der Bibliothek im urbanen Zentrum „Mazziniplatz / Freiheitsstraße“ Präsenz.
Gegenüber, auf der Nordseite fügt sich der Verwaltungsbau durch seine reduzierte Grundrissfläche und präzise Positionierung in die Bebauungsstruktur entlang der Diazstraße ein. Durch die Aufnahme verschiedener Gebäudekanten und der Höhenkote des Bibliotheksbaues wird das Areal räumlich gefasst.
Das Bibliothekenzentrum, das auf dem ehemaligen Longon-Areal in unmittelbarer Nähe zur Altstadt entsteht, wird drei Bibliotheken – die Landesbibliothek „Dr. F. Tessmann, die italienische Landesbibliothek „Claudia Augusta“ und die Stadtbibliothek Bozen „Cesare Battisti“ beherbergen.

Arbeitsteilig werden die drei Einrichtungen einen umfassenden Dienst für den Bürger leisten – einerseits als Public Library für die Stadt Bozen und andererseits als wissenschaftliche Universalbibliothek für alle drei Sprachengruppen für das ganze Land. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das lokale Schrifttum, das gesammelt und für die nachfolgenden Generationen aufbewahrt wird.

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Drei Bibliotheken in einem Haus. Der Mehrwert für den Bürger

Im Bibliothekenzentrum Bozen können Bücher und andere Medien in allen drei Landessprachen in Zukunft benutzerfreundlich an einem Ort angeboten werden.
Auf rund 11.000 Quadratmetern wird ein einzigartiges Medienangebot bereitgestellt. Das Spektrum reicht vom Buch über ein umfangreiches Zeitschriftenangebot bis hin zu elektronischen Medien, von populärwissenschaftlichen bis hin zu wissenschaftlichen Inhalten, von Medien für Kinder und Jugendliche bis hin zu Literatur für Erwachsene. Das real verfügbare Medienangebot wird durch virtuelle Informationen (Datenbanken, Internet) und die Anbindung an den nationalen und internationalen Leihverkehr ergänzt.
Rund die Hälfte des Bestandes wird für den Besucher frei zugänglich präsentiert. In einem angenehmen und anregenden Ambiente gibt es ausreichend Platz zum Lernen, Recherchieren, Lesen, Entdecken und Schmökern.
Als umfangreichste bibliothekarische Einrichtung im Land wird das Zentrum zum „Herzen“ des Südtiroler Bibliotheksnetzes und damit sicherlich Anlaufstelle für viele Bürgerinnen und Bürger aus dem ganzen Land. Es ist zu erwarten, dass weit über 1.000 Menschen täglich das Zentrum besuchen und dessen Angebote nutzen.

Der lange Weg zum Bibliothekenzentrum Bozen

Bereits Mitte der Neunziger Jahre gab es erste Überlegungen, eine italienische Landesbibliothek und die Stadtbibliothek Bozen in dem Gebäude gegenüber der heutigen Landesbibliothek Tessmann unterzubringen und die beiden Bibliotheksstrukturen durch einen unterirdischen Tunnel miteinander zu verbinden. Die „Tunnellösung“ wurde jedoch sehr bald fallen gelassen.
Stattdessen wurde 1996 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die Aufschluss darüber geben sollte, ob alle drei Bibliotheken auf dem ehemaligen LongonAreal Platz finden können. Das Ergebnis war positiv. Es gab eine grundsätzliche Einigung zwischen dem Land Südtirol und der Stadt Bozen: Die Gemeinde wird das Eigentum zur Verfügung stellen, das Land die Baukosten übernehmen. Das Raumprogramm der Machbarkeitsstudie wurde im Jahr 2000 von der Landesregierung genehmigt und ein Jahr später noch weiter präzisiert.
Im Herbst 2003 wurde schließlich europaweit ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Ende Mai 2004 hat eine neunköpfige Jury bestehend aus Architekten, Ingenieuren und Bibliotheksfachleuten die 200 eingereichten Projekte überprüft und bewertet. Am Ende hat sie einstimmig entschieden, keinen ersten Preis zu vergeben, sondern fünf Projekte Ex-equo mit dem zweiten Preis auszuzeichnen. In einer zweiten Phase sollen nun diese fünf Projekte weiterentwickelt und erst dann eine endgültige Entscheidung getroffen werden.

Die drei Bibliotheken des Zentrums

Die Landesbibliothek „Dr. F. Tessmann“ wurde 1982 als zentrale wissenschaftliche Bibliothek gegründet. Den Ausgangspunkt bildete die von Dr. Friedrich Tessmann im Jahre 1957 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gestiftete, vorwiegend aus Tirolensien und lokaler Grafik bestehende Bibliothek. Ziel der Landesbibliothek ist die Unterstützung von Studium, Forschung und Lehre und das Sammeln und Aufbewahren von landeskundlich relevantem Schrifttum.
Der Bestand von in erster Linie deutschsprachigen Werken ist mittlerweile auf rund 320.000 Einheiten (Stand: 31.12.2003) angewachsen. Jedes Jahr kommen durchschnittlich weitere 10.000 Einheiten dazu.

Die italienische Landesbibliothek “Claudia Augusta” wurde 1999 gegründet. Ihr Ziel ist es in erster Linie, Schrifttum und andere Medien von landeskundlicher Bedeutung in italienischer Sprache zu sammeln und aufzubewahren. In drei Jahren wurde ein Bestand von 13.000 Einheiten aufgebaut. Daneben hat die Bibliothek einen Schwerpunkt auf elektronische Medien gelegt und in diesem Zusammenhang eine Datenbank im Bereich des lokalen Schrifttums sowie die ersten drei digitalisierten Zeitschriften ins Internet gestellt. Zudem sind etwa 200 wissenschaftliche Arbeiten zu lokalen Themen gesammelt worden, deren Zuwachs durch den „Preis Claudia Augusta“ garantiert wird.

Die Stadtbibliothek Bozen „Cesare Battisti“ besteht seit 1928 und versorgt in erster Linie die Bevölkerung der Landeshauptstadt mit Medien und Informationen. Das Bibliothekssystem besteht aus dem Hauptsitz und sechs Zweigstellen, welche sich auf das gesamte Stadtgebiet verteilen. Die Stadtbibliothek ist zudem Mittelpunktbibliothek für die Bibliotheken im Einzugsgebiet und aufgrund des ihr zugewiesenen Pflichtexemplarrechtes offizielle Sammelstelle für alle in der Provinz Bozen gedruckten Werke. Der Bestand im Hauptsitz umfasst heute rund 240.000 Einheiten (Stand: 31.12.2003). Zwei Drittel des Etats werden für italienische, ein Drittel für den Ankauf von deutschen Büchern und Medien ausgegeben. Die Hauptbibliothek ist heute aufgrund der Platznot eine Magazinbibliothek mit überwiegend wissenschaftlicher Literatur, welche für Kinder und Jugendliche bis vierzehn Jahren nicht zugänglich ist. Die Nachfrage nach Kinder- und Jugend sowie Unterhaltungsmedien wird durch die Zweigstellen abgedeckt. Ziel ist es, dass die Stadtbibliothek durch die räumlichen Möglichkeiten im Bibliothekenzentrum stärker ihre Aufgabe als Public Library wahrnehmen kann.

Auftraggeber

  • Autonome Provinz Bozen

Aufgabe

  • Neubau Bibliothekenzentrum

Partner

  • A. Flora, Gilbert Sommer, M. Scharfetter, M. Mutschlechner