Minimale Flächen mit maximaler Wirkung

Nischen, Zonen, Atmosphären

Die Ausgangslage: 90 Quadratmeter Wohnfläche ohne klar abgegrenzte Bereiche, aber mit einem langen schmalen Gang. Die Lösung sieht so aus: Das Raumgefüge wird klar zoniert, um unterschiedliche Atmosphären zu schaffen. Durch verschiedene Qualitäten von Oberflächen und die Möblierung entsteht eine Struktur. Dabei nimmt sich das Stadtlabor die gewachsene Stadt zum Vorbild, „denn auch dort gibt es verschiedenste Plätze und Wege“. Zentrales gestalterisches Element ist ein raumlanges beidseitiges Schrank- und Möbelelement im Mittelgang, das mit seiner einheitlichen weißen Oberfläche eine ruhige Raumeinheit schafft. Die bewusst positionierten Nischen heben sich in leuchtenden Farben ab. „Um Kleines größer wirken zu lassen, sind möglichst aufgeräumte, geometrisch aufgelöste Räume wesentlich“, sagt Mutschlechner über das architektonische Konzept. „Erst auf diese Weise können edle Möbel wirken und durch Lampen und Leuchten Stimmungen generiert werden.“ Eine Tiefenwirkung kann durch Vorsprünge und Nischen erzielt werden.

Dass eine Verschränkung von außen und innen mehr Weite gibt, als tatsächlich vorhanden ist, beschreibt Mutschlechner anhand des Projekts „Villa W“. Hier hat man auf 90 Quadratmetern ein Haus für eine Person konzipiert. In das U-förmige Gebäude mit Satteldach hat man Ausschnitte gesetzt – durch das „Herausstanzen von Einzelteilen sind drei miteinander verschränkte Baukörper entstanden. So kann man vom Wohnbereich über die Terrasse in den Arbeitsbereich blicken, hat also einen Ausblick auf sein eigenes Haus, das schafft eine besondere Atmosphäre.“

01.06.2012 | 18:24 | ELKE JAUK-OFFNER (Die Presse)