Innsbruck als Möglichkeitsraum

29.12.2012 | 18:03 | von Steffen Arora (Die Presse)

„Der Platz ist für Architekten sehr eng, es gibt viele Büros. Aber es wird auch viel gebaut in Tirol“, so Mutschlechner. Und im Vergleich zum restlichen Österreich setzen Tiroler überdurchschnittlich oft auf innovative Architektur, selbst bei Einfamilienhäusern. Dennoch ortet Mutschlechner Defizite, was das wirtschaftliche Denken in der Architekturszene anbelangt. Auch bürokratische Hürden behindern den Innovationsprozess. Dabei wären Innsbruck und Tirol geradezu prädestiniert, neuen Ideen Raum zu geben, ist Mutschlechner überzeugt: „In einer Stadt mit der Größe von Wien kann man kaum selbst etwas bewegen. In Innsbruck hingegen ist es möglich, mit relativ wenig Mitteln und einem guten Netzwerk Projekte in Eigenregie anzukurbeln.“

Bester Beweis dafür ist die Tortenwerkstatt. Ein junges, 14-köpfiges Kollektiv von Architekturstudenten, das sich 2009 zusammentat und dabei die Vorzüge der Gruppenarbeit entdeckte. Mittlerweile hat das Kollektiv in einem Häuschen im Stadtteil Wilten einen Arbeitsraum geschaffen. „Wir kennen uns von den Kojen-Arbeitsplätzen auf der Uni“, erklären Mojo Reitter und Nikolaus Scorpik. Das Kollektiv versteht sich selbst als „flexible Einsatzgruppe, die nachhaltige und sinnvolle Architektur schaffen will“. Die Tortenwerkstatt ist in der Tradition von Columbosnext zu sehen. Die Universität ist ihre gemeinsame Basis, dort studieren die „Torten“ zum Teil sogar bei Lehrenden aus dem Columbosnext-Kolletiv.

Noch fehlt mangels abgeschlossenen Studiums zwar die Lizenz, um eigenständig Bauten abwickeln zu können. Dennoch machen die jungen Architekten bereits von sich reden. So zeichnete die Tortenwerkstatt für die StattStube, eine temporär bewohnbare Installation, die im Sommer 2012 im Zentrum von Innsbruck öffentlich zugänglich war, verantwortlich. „Innsbruck hat einen Hang zur Hardware-Architektur. Wir wollen in Zukunft vor allem Software-Architektur, die benutzbar ist und Mehrwert schafft, bauen“, erklären Reitter und Scorpik.“