Immobilien mit Liebhaberwert

ELKE JAUK-OFFNER (Die Presse)

Objekte mit Liebhaberwert
Alte Mühlen, ehemalige Fabriken, Kapellen und Stallungen – als Wohnraum sind sie einzigartig. Es sind meist ausgesprochene Individualisten, die nach Häusern mit hohem Originalitätsfaktor Ausschau halten.

Gestern funktionell heute originell
Alte Häuser haben eine Seele, die man verstehen muss“, sagt Architekt Martin Mutschlechner. Wie jenes Gebäude am Dorfrand von Gärberbach bei Innsbruck. Es wurde einst als Mühle und später landwirtschaftlich genutzt. Eine Kapelle gehört auch dazu – mit bedeutungsvoller Historie: Hier feierte Andreas Hofer die Messe vor der legendären Bergisel-Schlacht.

Heute ist sie Teil eines harmonischen Wohngefüges, das Mutschlechner und Barbara Lanz geschaffen haben. Verbunden wurden dabei ein wuchtiges, dreigeschoßiges Wohnhaus, die Kapelle eben und eine dazwischenliegende frühere Tenne. Dabei wollten sie den Aufwand und das Ausmaß der Veränderung möglichst gering halten. Vielmehr die Geschichte des Gebäudes mit seinem hohen handwerklichen Wert ergründen – ein Credo des Tiroler Architekturateliers Stadtlabor, das sich auf das Bauen im Bestand spezialisiert hat. „Es ging weniger darum, Räume und Zimmer zu schaffen als vielmehr Atmosphären und Nischen“, erklärt Mutschlechner. Das teils über zwei Stockwerke nach oben offene Erdgeschoß dient als Wohn- und Kochraum, die Schlafzimmer finden sich unter dem Dach. Alle Innenräume sind als gleichwertige Räume entwickelt, „schließlich verändern sich deren Funktionen im Laufe unseres Lebens“.