HFT Stuttgart – Vortrag

Die Entdeckung der Langsamkeit in der Architektur

Die langsamen Qualitäten der Architektur können mit einer Zeitrafferaufnahme der Bauten sichtbar gemacht werden, allerdings nimmt man dabei in Kauf, dass diese Darstellung eher stressig wirkt.

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Der Protagonist des Romans „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny ist der englische Kapitän und Polarforscher John Franklin, der wegen seiner Langsamkeit Schwierigkeiten hat, mit der Schnelllebigkeit seiner Zeit Schritt zu halten. Anhand seiner Beharrlichkeit wird er aber zu einem großen Entdecker wird.

 

 

Geschwindigkeit = Raum / Zeit.

Virilio sieht Geschwindigkeit als verborgene Seite von Reichtum und Macht und damit als entscheidenden Faktor, der die Gesellschaft bestimmt. Geschichtliche Epochen und politische Ereignisse werden unter diesem Blickwinkel zu Geschwindigkeitsverhältnissen. Seines Erachtens vernichtet die Geschwindigkeit den Raum und verdichtet die Zeit. Dies sei das verhängnisvollste Phänomen des 20. Jahrhunderts. Der so genannte Dromologische Stillstand kann als Effekt der Selbstblockade verstanden werden.

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Wang Shu: „Die Schnelligkeit der Bauwirtschaft macht allen Architekten gleichermaßen zu schaffen.  Ich habe deshalb mein eigenes Arbeitstempo verlangsamt. Wenn die Kollegen schon fertig entworfen haben, mache ich noch weiter. Während sie die Baustellen meiden, gehe ich so gut wie jeden Tag hin, weil ich es liebe, die Dinge direkt anfassen zu können. Während die anderen sich damit zufriedengeben, nur zu entwerfen, forsche ich in meinem Atelier weiter, ohne dafür bezahlt zu werden. Das macht nichts! Ich bin eben ein Amateur-Architekt. Ich liebe meine Arbeit.“

Der situationistische Theoretiker Guy Debord definiert  dérive als „eine Art experimentelles Verhalten verbunden mit der städtischen Gesellschaft: Eine Technik zum schnellen Durchschreiten unterschiedlicher Ambiente.“