Haus auf dem Land ein Auslaufmodell?

18.01.2013 | 18:37 | ELKE JAUK (Die Presse)

Unter Druck geraten sei das Ideal für das Haus auf dem Land auch durch ideologische Zuschreibungen, ergänzt Martin Mutschlechner vom Innsbrucker Architekturbüro Stadtlabor. „Urbanität umschreibt Ideale wie Bildung und Weltoffenheit. Dem steht der Begriff des Ländlich-Rustikalen gegenüber, der in seinem Wortstamm auf Verschlossenheit verweist, auf Menschen, die nicht über den Tellerrand blicken.“ Dazu passe auch die Problematik der „Schlafdörfer“: Menschen wohnen auf dem Land, leben aber tagsüber ein Stadtleben, sind mittelmäßig integriert und wollen gar nicht mehr. Sie wünschen sich Bauten mit Flachdach und loftähnlichen Raumstrukturen, der Kontext zum Umfeld wird architektonisch oftmals vermieden. „Außenräume werden zumeist nur für Autos geschaffen, für das Dorf selbst haben sie keine Bedeutung“, kritisiert der Architekt.

Veränderungen passieren aber nicht von heute auf morgen, „gerade Wohnen ist ein Phänomen mit großer Trägheit“, nimmt Gatterer den Faden auf. Man müsse also mindestens ein Jahrzehnt in die Zukunft blicken, dann erweise sich das Einfamilienhaus nicht mehr als der Weisheit letzter Schluss. Der Trendforscher sieht die Zukunft in Wohnmodellen mit fließenden Übergängen zwischen Grün- und Stadtraum, Anlagen, die eine Infrastruktur für das Alltagsleben wie Spielplatz oder Einkaufsmöglichkeiten bereitstellen und Menschen, die sich Häuser und Arbeitsräume teilen.